Vom Leben und Arbeiten

Wie viel Zeit verbringen wir tatsächlich mit dem, was uns Freude bringt und wie viel Zeit davon mit dem Verdienen von Geld? Geld welches, neben dem Notwendigen, dann dazu verwendet wird sich einen Ausgleich zu gönnen, neue Klamotten, die neusten Technikspielereien etc. Bei alldem Stress mit Arbeit, Familie und Freizeit bleibt dann auch das Kümmern um sich selbst oft auf der Strecke.

 

 

Samstags den Rucksack umgeschnallt und los geht es zum nächsten Bauernmarkt. Hört sich so einfach an und doch war genau diese Art der Lebensmittelbeschaffung für mich lange Zeit keine Option zum Supermarkt um die Ecke. Es war zwar nervig jeden zweiten oder gar jeden Tag einkaufen zu gehen und sich zu überlegen, was es wohl heute bei dieser Fülle an Lebensmitteln zum Abendessen geben wird, aber ich war daran gewöhnt. Bewusst schreibe ich hier vom Abendessen, denn das Mittagsmenü habe ich mir beim Bäcker oder irgendeinem Imbiss um die Ecke geholt.

 

Somit wurden die Nahrungsmittel tatsächlich nur zu „Lebensmitteln“. Ein Mittel, welches ich zwar zum Leben brauche, welchem ich aber nicht wirklich die Beachtung und Wertschätzung geschenkt habe, die jedes einzelne davon verdient hätte.

 

Ich zog, wie fast jeden Tag, an den endlosen Regalen entlang und überlegte, worauf ich wohl heute Lust hätte. Dabei stellte ich fest, dass ich wirklich keine Ahnung hatte, und griff wieder mal zu Tiefkühlpizza oder Pommes. Zwischendurch wurde natürlich auch mal richtig gekocht, aber Gedanken darüber, woher mein Essen kommt, oder was ich da gerade zu mir nehme, habe ich mir nur selten gemacht. Vieles wusste ich zwar, aber ich nahm es einfach in Kauf. 

 

Schnell zwischendrin eine kleine Mahlzeit zu sich nehmen. Keine Zeit, keine Wahrnehmung des Essens. Wer kennt das nicht? 

 

Weniger arbeiten und mehr zu leben - das zu tun, was einem im Leben wirklich etwas bedeutet - ist für mich ebenfalls ein wichtiger Teil meines Lebens geworden. Sich darauf einzulassen hat anfangs aber auch Überwindung gekostet.

 

Jeden Tag aufs neue pendeln Millionen von Menschen in Deutschland zu Ihrer Arbeitsstätte. Auf Ihrem Weg dorthin wird nicht nur Kilometer um Kilometer zurückgelegt, bei vielen bleiben auch Unmengen von Stunden auf der Strecke. Zeit, die wir mit Familie oder Freunden hätten verbringen können, oder einfach Zeit für uns selbst.

 

Viele von uns arbeiten, zwischen diesen verloren Stunden im Verkehrschaos, über 8 Stunden oder noch länger. Zeitdruck und damit Stress beherrscht den Arbeitsalltag der meisten. Alles muss noch schneller fertig werden - denn Zeit ist ja schließlich Geld, so lautet die Parole. Dass Gutes aber seine Zeit braucht, spielt dabei immer weniger eine Rolle. Das Geld steht im Vordergrund und beherrscht somit das Denken. Zwischen dem Hin und Her von Job und dem Zuhause zieht die Sonne von Ost nach West und wiedermal ein Tag neigt sich dem Ende. Als Ausgleich dient dann das neuste Hightech Produkt oder eines der vielen anderen Konsumgüter.

 

Heute ist für mich Konsum viel mehr der Konsum von Zeit, als das kaufen unnötiger Produkte. 

 

Ein Klick genügt und dann heißt es nur noch ein paar Tage warten und das Bestellte steht vor der Tür. Wem dies immer noch zu langsam geht, der kann sich bei den vielen Lieferdiensten für persönliche Glückseligkeit sein Objekt der Begierde auch schon über Nacht vor die Türe legen lassen, damit das Gefühl der inneren Freude und Unruhe möglichst bald nachlassen kann.

 

Auch ich konnte mich lange davon nicht ausnehmen. War es doch so einfach sich das Neuste vom Neuen schnell zu beschaffen und einer der vielen zu werden, die an dem gekauften Produkt Freude fanden. Auch hier wusste ich zwar um die Macht hinter diesem Konsumwahn und doch war der Drang danach oft zu stark, als dass ich mich dem hätte widersetzen können.

 

Konsum als Befriedigung!? Wem nützt das wirklich? Hören wir mal in uns hinein... 

 

Wir rennen so oft dem Geld hinterher wie ein Hund seinem eigenen Schwanz. Er wird ihn nie kriegen, sowie nicht jeder von uns das große Geld besitzen kann, denn dann würde unser jetziges kapitalistisches System einfach nicht mehr funktionieren. Es lebt vom Streben nach mehr Geld, nach der angeblichen Freiheit mit mehr Konsum, mehr Reisen, einfach mehr von allem.

 

Die größte Freiheit ist nicht das Geld und was man sich damit kaufen kann, sondern die Zeit - Zeit für sich selbst und für andere. 

 

Beginnen wir uns mit den Themen wie Essen, Arbeiten und dem Konsum auseinanderzusetzen und dabei ehrlich zu uns selbst zu sein, haben die wenigsten von uns Interesse daran Schrott in sich hineinzustopfen, die Tage mit Stress auf der Arbeit zu verbringen und sich vom verdienten Geld den nächsten schnellen Konsumkick zu holen.

 

Ich habe für mich entschieden bewusster Lebensmittel einzukaufen und diese auch zu genießen, ob auf dem Markt vom Bauern um die Ecke oder im Supermarkt regional und saisonal und da fällt die Fertigpizza leider raus. Seit dem wird jeden Tag konsequent frisches Essen zubereitet und für mehrere Tage eingekauft. Zusätzlich wird der Plastikmüll immer weniger, denn bewusst einkaufen bedeutet auch nachhaltig einkaufen. Was anfangs schwer viel, ist jetzt kein Thema mehr, sondern eine Lebenseinstellung.

 

Auch habe ich mich dazu entschieden weniger zu arbeiten und meine verdiente Zeit damit zu verbringen, etwas für mich oder andere zu tun. Dieser neue Freiraum gibt einem die Möglichkeit sich bewusst um die Ideen im Leben zu kümmern, welche schon lange auf Verwirklichung warten. Weniger arbeiten kann zwar auch weniger Geld bedeuten, aber dank der gewonnenen Zeit kann ich zum Beispiel gebrauchte Dinge wieder reparieren und Lebensmittel aus dem eigen Garten anbauen und ernten. 

 

Wie oft hören oder lesen wir von den Folgen des massiven Konsums von unnötigen Produkten oder den schlechten Arbeitsbedingungen bei Produzenten aber auch Händlern - Prime sein will jeder. Produziert wird das meiste nur für die Tonne. Eines der besten Beispiele dafür ist Kleidung. Vieles davon landet nach kurzer Benutzung unbeachtet in der Ecke. Ich habe für mich entschieden da nicht mehr mitzumachen und kaufe nur noch gebrauchte Klamotten oder wenn neu, dann aus umweltverträglichen Materialien und aus Manufakturen mit fairen Arbeitsbedingungen und fairem Handel.

 

Weniger Konsum bedeutet daher für mich auch weniger benötigtes Geld und damit mehr Zeit. So einfach schließt sich der Kreis. Was ich damit sagen möchte ist, jeder von uns hat die Möglichkeit sich sein Leben so zu gestalten wie Sie oder Er es für richtig hält.

 

Und wer mehr im Leben möchte, muss es sich nur selbst erlauben dies auch zu tun. Lass Dich nicht von anderen oder vom Konsum lenken, mach Dich frei davon und trau Dich der Mensch zu werden, der du schon immer sein wolltest!


geschrieben von Matthias


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