Der Heißhunger nach Rohstoffen

Gut zehn Jahre ist es nun her, dass mit dem Smartphone eine neue Ära der mobilen Kommunikation eingeläutet wurde. Seit diesem Zeitpunkt hat sich nicht nur unsere Art miteinander zu kommunizieren drastisch verändert, auch der Verbrauch von speziellen Rohstoffen ist seit den frühen 2000ern rasch angestiegen. Ein großer Faktor dabei ist unter anderem der Ausbau der erneuerbaren Energien.

 

 

Hast Du dieses Jahr auch schon dein neues Smartphone bekommen?

 

Laut den aktuellen Zahlen werden im Jahr 2017 wieder 30 Millionen neue Smartphones verkauft. Im Klartext heißt es, dass allein in Deutschland fast jeder Dritte sein altes Modell gegen ein Neues eintauschen wird. In den aller meisten Fällen wird dies aber nicht geschehen, weil das aktuelle Gerät nur noch bedingt funktionsfähig oder gar defekt sein dürfte, sondern nur aus einem einzigen Grund - „Neu ist immer besser!“

 

Wer im Besitz eines Smartphones ist, weiß wie rasant der Wechsel vom Vorgängermodell zum nächsten neuen Gerät vonstattengehen kann. Allein, wenn man darüber nachdenkt, wie viele verschiedene Handys und Smartphones man selbst schon besessen hat oder in diversen Schubladen immer noch besitzt. Daran lässt sich erahnen, welche Mengen an wertvollen Rohstoffen einem im wahrsten Sinne des Wortes schon durch die Hand gegangen sind. 

 

Doch selbst die Smartphones machen nur einen kleinen Teil dieser schier gewaltigen Menge an Elektrogeräten aus, welche Jahr für Jahr noch voll funktionsfähig und eher selten tatsächlich defekt auf dem Müll landen und damit auch die vielen Rohstoffe. Neben dem ganzen Plastik und bekannten Metallen wie Kupfer, Aluminium, Zinn, Gold, Platin etc. sind es allem voran die Selten Erden, welche so auf dem Müll landen.

 

Seltene Erden - wirklich so selten?

 

Die richtige Bezeichnung für die Selten Erden lautet eigentlich Metalle der Selten Erden. Diese Metalle wie Neodym, Dysprosium, Scandium, Yttrium, um nur ein paar davon zu nennen, waren bis vor ein paar Jahrzehnten noch Abfallprodukte der Erzförderung. So sind nicht alle dieser Metalle so selten, wie Ihr Name eigentlich vermuten lässt. Die Krux daran ist nur ihr Vorkommen. Seltene Erden kommen nicht in Reinform vor, sondern im Verbund und so verstreut über den gesamten Planeten und in zu kleinen Mengen, dass eine Förderung selten sinnvoll ist.

 

Benötig werden Sie für alles, was unsere Gesellschaft am Laufen hält. So gut wie jedes moderne Gerät vom Smartphone bis hin zum Auto, aber auch die erneuerbaren Energien, allem voran die Windkraft benötigen sehr viel davon. Sie stecken in Computerchips, in Displays, in vielen Elektromotoren, in Kfz Steuergeräten, der Medizintechnik etc. Kurz gesagt wir sind davon heute tatsächlich abhängiger als vom Öl.

 

Der größte Lieferant dafür ist zurzeit die Volksrepublik China mit über 90% aller weltweit geförderten Selten Erden. Die Gewinnung dieser so begehrten Rohstoffe ist aktuell weder einfach, noch umweltfreundlich. Die Bedingungen des Abbaus sind für die dortigen Arbeiter und die Umwelt gelinde gesagt eine Katastrophe. Sind Sie erst mal aus dem Boden gebrochen, müssen die einzelnen Metalle noch voneinander getrennt und aufbereitet werden. Dazu bedarf es einen großen Energieaufwand und den Einsatz von viel Chemie, wie Säuren, um die Metalle voneinander zu trennen. Was danach über bleibt, ist meist ein Schlamm aus Säure, Schwermetallen, radioaktiven Elementen und Fluoriden. Möglichkeiten diese Verfahren umweltfreundlicher und sicherer zu gestalten gibt es genug, doch was zählt ist Macht und Geld.

 

 

"...um die Entsorgung kümmern wir uns später."

 

Was passiert nun mit all den elektronischen Geräten, welche schon nach wenigen Jahren auf dem Müll landen? Der meiste Elektroschrott wandert in großen Mengen in die ärmsten Länder dieser Erde. Dort wird dann ebenfalls unter widrigsten Bedingungen für Mensch und Umwelt versucht, einen kleinen Teil der Rohstoffe zurückzugewinnen. Leicht zu trennende Metalle wie Zinn, Gold, Kupfer oder auch Aluminium finden so zwar unter fragwürdigen Bedingungen Ihren Weg zurück in den Kreislauf, doch die Seltenen Erden lassen sich so nicht isolieren.

 

Wir haben die Herstellung von elektronischen Geräten perfektioniert, doch was ist mit deren Entsorgung? Für die Hersteller geht es vorwiegend darum, einen riesigen Kuchen unter sich aufzuteilen, um dem Verbraucher nach Möglichkeit jedes Jahr das neuste Gerät verkaufen zu können. Dafür wird im wahrsten Sinne des Wortes gerne über Leichen gegangen, was die Entsorgung betrifft - von der Rohstoffgewinnung und der Smartphone-Herstellung hier mal ganz abgesehen. Die Menschen in der Dritten Welt werden sich darum sicher gerne kümmern und auch eine Lösung finden, so wie sie es mit allem tun was wir nicht mehr haben wollen!

 

Genauso wichtig wie ein ressourcenschonender Prozess der Herstellung ist es auch sich um ein fachgerechtes Recycling der Geräte zu sorgen. Die Rückgewinnung aller, der zum Beispiel in Smartphones enthalten Komponenten, steckt noch immer in den Kinderschuhen. Die Devise „Erst mal machen und Geld damit verdienen und um die Entsorgung kümmern wir uns später!“ ist leider immer noch die gängige Praxis der Industrie. Was für die Zukunft benötigt wird, ist ein Wertstoffkreislauf. Das heißt, bevor ein Produkt überhaupt entstehen kann, muss gesichert sein, was damit passiert, wenn es einmal nicht mehr gebraucht wird und wie es dann zurück in den Kreislauf eines nachhaltigen Wirtschaftens geführt werden kann.

 

Erneuerbare Energien - Ressourcen Verschwender? 

 

So wird mit jedem neuen Smartphone aber auch jedem neuen PKW, von denen in Deutschland allein in 2016 um die 3,4 Million zugelassen wurden, der Verbrauch von diesen Metallen und vielen anderen Rohstoffen, vorangetrieben. Ein ebenfalls großer Verbraucher dieser Metalle ist die Windkraft. Um Anlagen immer effizienter machen zu können, werden für große Windkraftanlagen mit einigen Megawatt Leistung bereits mehrere Tonnen von Selten Erden wie Neodym benötigt. Möglichkeiten die Selten Erden einzusparen gibt es immer mehr. Für die Elektromotoren der neuen Elektrofahrzeuge beispielsweise kann schon heute auf den Einsatz von Seltenen Erden ganz verzichtet werden.

 

Für einen Ausbau der Windkraft und das Erreichen der angestrebten Ziele in Richtung Energiewende werden die Seltenen Erden auch weiterhin unerlässlich sein. Doch auch hier ist es möglich, je nach Bauart der Windkraftanlagen, einiges an diesen Metallen einzusparen. Wenn wir es allerdings auch hier versäumen beim Bau dieser Riesen nicht an die Wiederverwertbarkeit in der Zukunft zu denken, haben wir nichts gewonnen, sondern den gleichen Elektroschrott produziert den wir heute mit all unseren Smartphones, Tablets, Fernsehern, Spielkonsolen, Autos, und den vielen weiteren Konsumgütern schon haben.

 

Was lernen wir daraus?

 

Der Eingriff in unserer Ökosystem für den vermeintlichen Fortschritt sollte nicht zum Ziel haben Jahr um Jahr ein neues Smartphone sein Eigen nennen zu können. Er sollte auch nicht das Ziel verfolgen konventionelle Energieträger durch vermeintlich saubere Energien zu ersetzten, wenn Sie es gar nicht sind. Er sollte vielmehr zum Ziel haben unsere Zukunft so zu gestalten, dass all die Eingriffe in unser Ökosystem so gering wie möglich gehalten werden können. Es liegt an jedem Selbst, wie wir mit Wissen umgehen und was wir daraus machen.

 

Aber der Verantwortung für kommende Generationen müssen wir uns alle stellen, deshalb wäge das nächste Mal gut ab, ob dein neues Smartphone wirklich nötig ist, oder nur deinem Selbstwert dient.

 


geschrieben von Matthias


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