Die Qual der Wahl - über Politikverdrossenheit und Informationsflut

Dass ich mal in der Öffentlichkeit meinen Senf zum Thema Politik dazugeben werde, hätte ich nie gedacht. Ich würde mich als politikverdrossen, mäßig informiert und allem voran frustriert bezeichnen. Die Bundestagswahl steht an, die Gespräche über Politik häufen sich in meinem Bekanntenkreis und ich merke, dass es mich mehr beschäftigt, als gedacht. Jetzt mache ich es doch, ich schreibe über die Wahl.

 

 

Es wäre sehr kurz gedacht, wenn man sich für Nachhaltigkeit einsetzt, dabei aber die Politik ausklammert. Und trotzdem eins vorweg - voranschreiten.de ist ein nichtpolitischer Blog und wird es auch bleiben.

Ich nehme Dir mit diesem Artikel weder das selbstständige Denken ab, noch mache ich Parteiwerbung. Ich schreibe meine Gedanken nieder und hoffe, dass ich den ein oder anderen inspirieren kann. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. 

 

Das Thema Politik schreckte mich ehrlich gesagt bisher immer ab. Mit dem, was die Politiker da so reden, konnte ich nie viel anfangen und das Gefühl, dass ich mich in einem großen Schmierentheater befinde, hatte ich schon oft. Das führte dazu, dass ich mich nie tiefer mit dem Thema beschäftigte. Klar, zu aktuellen Themen habe ich meine Meinung und ich verfolge das Geschehen in Deutschland, Europa und weltweit. Aber von tiefem Politikverständnis würde ich da nicht reden. 

 

Ich erinnere mich noch gut an die vergangenen Wahlen. Da habe ich mir vorher keine große Mühe gemacht, mich ausführlich mit Wahlprogrammen zu beschäftigen. Politik im Allgemeinen empfand ich als eher lästig und fühlte mich absolut überfordert eine Wahl zu treffen. Nicht wählen kam aber auch nicht infrage, doch die Entscheidung wo ich mein Kreuzchen setze, fiel nicht aus echter Überzeugung, sondern eher aus dem Bauchgefühl heraus.

 

Nun bin ich einige Jahre älter und stehe wieder vor der Qual der Wahl. Wieder irgendein Kreuzchen setzten? Wieder planlos irgendwas wählen, damit ich sagen kann „ich habe gewählt“!?

Nein. Das passt nicht zu mir und das will ich nicht mehr. Aber wie finde ich jetzt raus, was ich wählen soll? 

 

Die schlechte Nachricht: Um etwas Eigenengagement kommt man leider nicht herum. Aber ich finde immer Zeit irgendwo planlos im Netz zu surfen, mich durch soziale Medien zu scrollen oder andere unwichtige Dinge zu tun. Da wird es ja wohl auch ein Zeitfenster geben, in dem ich mich ein wenig mit Politik auseinandersetzten kann.

 

Und ist es nicht unsere Verantwortung als aufgeklärter, erwachsener Mensch selbst zu denken und uns unsere Meinung selbst zu bilden?

In einer Zeit, in der wir mit Informationen geradezu überschüttet werden und gar nicht mehr wissen, was eigentlich unsere echte eigene Meinung ist oder was uns nur oft genug eingetrichtert wurde… 

 

Gut, nun stehe ich also vor der Aufgabe, mir ein Bild zu machen. Mir persönlich helfen dazu Gespräche mit mir vertrauten Personen. Dort tausche ich mich aus und gebe ungeklärte Fragen zu Parteien oder politischen Entscheidungen offen zu. Wenn man das mal beginnt, wird man feststellen, wie viel Unklarheit eigentlich herrscht. Und hey - für mich war es eine Erleichterung zu erfahren, dass ich nicht die einzig politikverdrossene, uninformierte in meinem Bekanntenkreis bin. Durch Gespräche habe ich mir also Unklarheiten bewusst gemacht und konnte, wenn sie sich nicht eh schon in der Unterhaltung geklärt haben, gezielt dazu nachlesen. 

 

 

Der zweite Schritt war für mich online Entscheidungshilfen zur Unterstützung zu nehmen. Ich habe unterschiedliche Programme getestet: DeinWahl und Wahl-O-Mat sind die wohl Bekanntesten.

 

www.deinwahl.de

 

www.wahl-o-mat.de

 

Beide Programme sind so aufgebaut, dass man sich durch Fragen klickt und am Ende seine eigene Einstellung mit der zur Wahl stehenden Parteien vergleichen kann. Beide Programme haben bei mir einwandfrei funktioniert und lieferten sehr ähnliche Ergebnisse. Der größte Unterschied liegt in der Datenbasis der Programme. DeinWahl bezieht sich auf in der Vergangenheit tatsächlich gefällte Entscheidungen der Parteien, wohingegen der Wahl-O-Mat sich auf das aktuelle Parteiprogramm bezieht. Auch wenn nicht alle wichtigen Themen behandelt werden und es nur ein erster Überblick sein sollte, mir haben sie beim Einstieg in meinen Entscheidungsprozess geholfen.

 

Es gibt noch andere Möglichkeiten sich einen Überblick zu verschaffen. Sehr nett finde ich zum Beispiel auch die Seite: Informiert-Wählen.

 

www.informiert-waehlen.de

 

Hier bekommt man nicht ganz so bequem ein Ergebnis präsentiert, hat jedoch die Möglichkeit die großen sechs Parteien im Überblick zu vergleichen. Die kleinen Parteien wären sicher auch noch interessant gewesen. Trotzdem hilft es dabei ohne viel Text lesen zu müssen auf den ersten Blick zu erkennen, was das jeweilige Parteiprogramm zu bestimmten Themen sagt. Bei mehr Interesse gibt es dann die Möglichkeit weiter zu lesen. 

 

Programme schön und gut - aber das sollte nicht alles sein!

Mit dem Durchspielen der Programme bekam ich einen ganz guten Überblick, welche Parteien ich sofort aus meiner Wahl ausschließen kann und mit welchen ich mich tiefer beschäftigen möchte. Ich habe mir zum Beispiel zwei Parteien herausgepickt, bei denen ich auf den ersten Blick keinen deutlichen Unterschied festmachen konnte. Der Vergleich machte dann wieder einiges klarer. 

 

Und so bin ich jetzt an einem Punkt an dem ich, wenn ich das Wort „Bundestagswahl“ höre, nicht mehr völlig ratlos da stehe, sondern schon mal ein wenig eingrenzen kann. Und - wer hätte das gedacht - ich finde es langsam fast schon interessant mich mit dem Thema zu beschäftigen, auch wenn ich kein Politikwissenschaftler mehr werde. 

 

Da ich am Wahltag nicht Zuhause sein werde, habe ich die Briefwahlunterlagen angefordert. Das würde ich Dir auch empfehlen, wenn Du dich unsicher fühlst, selbst wenn Du zum Wahllokal gehen könntest. Die Briefwahl bringt den riesigen Vorteil mit sich, dass Du Dich mit deinem Wahlzettel ganz in Ruhe bei einem Tässchen Tee an den Tisch setzen und Deine Kreuze bewusst und in Ruhe aufs Papier bringen kannst.

 

Egal wie Du es machst, nicht Wählen darf keine Alternative sein, denn wir leben in einer Demokratie und da kann und MUSS man mitreden.

Es wäre hirnrissig sich mit den Themen der Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen, im Alltag Müll zu trennen, weniger Auto zu fahren und Fair Trade zu kaufen - andererseits die großen politischen Entscheidungen Anderen zu überlassen. Wir werden unserem Ziel, den Planeten für zukünftige Generationen lebenswert zu erhalten, nur nahekommen, wenn wir auch politisch die entsprechende Richtung einschlagen. Und das wird nur passieren, wenn Du und ich aktiv daran teilnehmen.

 


geschrieben von Anna


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