Energie im Überfluss

Energieeinsparung steht hoch im Kurs. Wir bauen effektivere Gebäude und arbeiten daran die erneuerbaren Energien für die Zukunft weiter auszubauen. Doch noch immer sind die konventionellen Energieträger nicht aus unserer Gesellschaft wegzudenken. Problematisch daran ist, wie wir mit Ihnen umgehen. Obwohl wir darum wissen, dass ein Ende dieser Energieträger kommen wird und welche Auswirkungen sie auf unsere Umwelt haben, verschwenden wir weit mehr als die Hälfte davon nutzlos. 

 

 

Die konventionellen Energieträger sind nach wie vor der Motor unserer Gesellschaft. Aus ihnen gewinnen wir Treibstoff für unsere Fahrzeuge jeglicher Art. Mit ihnen heizen wir unsere Gebäude und stellen Strom her, den unsere moderne Gesellschaft so braucht. Kurz gesagt, fallen von heute auf morgen diese Rohstoffquellen weg, würden die Straßen leerer werden und viele Häuser dunkel bleiben – vom Chaos ganz zu schweigen.

 

Natürlich ist dies ein Szenario, welches so nicht stattfinden wird. Doch sollten wir uns alle einmal drüber Gedanken machen was wir da nun genau an der Zapfsäule in unseren Tank füllen, wie leichtfertig wir von A nach B fliegen oder wie es um den Strom aus konventionellen Energiequellen tatsächlich bestellt ist.

 

Unser größtes Problem ist, das wir mit diesen Energiequellen so umgehen als gäbe es kein Morgen mehr. Wir schöpfen aus dem Vollen, und das jeden Tag aufs Neue. Dass die erneuerbaren Energien über die nächsten Jahrzehnte eine immer größere Rolle spielen werden ist eine Tatsache und eine nötige Konsequenz, welche unumgänglich ist. Darüber möchte ich hier auch gar nicht schreiben.

 

Vielmehr möchte ich hier die unglaubliche Verschwendung von Öl, Gas, Kohle und Uran aufzeigen, welche unsere „modernen Technologien“ in Verbindung mit unseren Lebensweisen verursachen. Alle Verbrennungsmaschinen welche primär das Ziel haben aus diesen Energieträgern eine Bewegungsenergie zu generieren haben einen endscheitenden Nachteil – sie alle weißen einen schlechten Wirkungsgrad auf. Das bedeutet nichts anderes, als das aus dem eingesetzten Energieträger nur ein Teil davon in Bewegungsenergie umgesetzt werden kann.

 

 

Die ersten Dampfmaschinen hatten einen Wirkungsgrad von gerade einmal einem halben Prozent. Mehr als 99 Prozent an Energie gingen damit in Form von Wärmenergie an die Umgebung verloren. Um 1780 gab es dann eine technische Revolution, welche unsere heutige Welt maßgeblich prägte – die verbesserte Dampfmaschine des James Watt erreicht für damalige Verhältnisse unglaubliche 3 Prozent an Wirkungsgrad.

Im ersten Moment klingt diese Leistungssteigerung eher lächerlich, als dass sie wirklich etwas gebracht hätte. Doch war es damit plötzlich möglich bei gleichem Brennstoffeinsatz die 6-fache Leistung zu generieren – und das klingt doch schon viel besser.

 

Aber was hat das alles mit unserer heutigen Zeit zu tun? Ziemlich viel sogar, denn wir erzeugen in unseren Kraftwerken noch immer Dampf um Turbinen anzutreiben und Strom zu gewinnen. Egal ob wir Kohle, Gas oder Öl verbrennen – aus Wasser wird Dampf, dieser treibt eine Dampfturbine an und diese wiederum einen Generator. Da die Dummheit des Menschen ja bekanntlich keine Grenzen kennt, fingen wir auch noch damit an Uran zu spalten. Die Folgen davon brauche ich ja wirklich niemanden mehr zu erläutern. Und wofür das alles, um anfangs Bomben zu erschaffen und später damit Wasser zum Kochen zu bringen.

 

Im Durchschnitt erreichen unsere Kraftwerke heute um die 40 Prozent Wirkungsgrad, der Rest bleibt Abwärme und giftiger Abfall! Allein in Anbetracht dieser Tatsache und der, dass die Technologie der reinen Dampferzeugung zur Stromgewinnung Ihr Potenzial bereits erschöpft hat, sollten wir langsam doch umdenken. Anders ausgedrückt heißt das, dass je erzeugter Kilowattstunde an Strom in einem Großkraftwerk, 2 Kilowattstunden an Abwärme entstehen, welche meist ungenutzt über riesige Kühltürme verpuffen.

 

Im Jahr 2017 erzeugt Deutschland ca. 430 Terrawattstunden an Strom aus konventionellen Energieträgern. Mit dieser verlorenen Abwärme ließen sich alle 40 Millionen Haushalte in Deutschland mit Wärme versorgen.

 

 

Ein anderes Beispiel für die maßlose Verschwendung der konventionellen Energieträger möchte ich euch selbstverständlich nicht vorenthalten. In Deutschland gibt es an die 45 Millionen PKW und ja, du hast richtig gelesen! Sagen wir nun jeder PKW davon fährt im Jahr 15.000 km. Nehmen wir auch an, es handelt sich dabei nur um PKW der Mittelklasse mit Benzinmotor und einem Verbrauch von ca. 6,5l/pro 100 km. Dann würde jedes dieser Fahrzeuge im Schnitt ca. 1000 Liter an Kraftstoff benötigen mit einem Energiegehalt von 8.500 kW/h. Davon sind lediglich ca. 3.500 kW/h oder eben nur ca. 400 Liter Kraftstoff tatsächlich dafür aufgewendet worden damit sich die Räder drehen. Der Rest ist Abwärme die verloren geht.

 

Diese Mengen an Energie, nur allein von den PKW‘s, würden ausreichen um alle Einfamilienhäuser in Deutschland das ganze Jahr mit Wärmeenergie für Heizung und Warmwasser zu versorgen. Über die schier unglaublichen Mengen an verschwendeter Energie für unnötige LKW- und Schiffstransporte, den Urlaubsflügen und Kreuzfahrten und den Konsumgütern aus aller Welt, haben wir hier noch gar nicht gesprochen.

 

Wir müssen jetzt damit beginnen Energie vor Ort effektiver zu nutzen und vor allem muss die Energieversorgung der Zukunft dezentraler gestaltet werden. Wärme und Strom sollten dort erzeugt werden wo Sie gebraucht werden und nicht unabhängig voneinander. 

 

„Jede Generation muss Straßen bauen, auf denen die nächste fahren kann.“ Chinesisches Sprichwort

 

Ein Elektromotor hat über 90 Prozent an Wirkungsgrad und kann direkt mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden, um Züge etc. zu versorgen. Und keine Angst es wird in Zukunft auch genügend umweltverträgliche Speichermöglichkeiten für Strom geben. Viel wichtiger ist es dabei nicht noch mehr an Fahrzeugen, auf Straßen, ins Wasser oder in die Luft zu bringen – sondern die Mobilität der Zukunft so zu gestalten, dass viele davon gar nicht mehr gebraucht werden.

 

Wir gehen mit diesen kostbaren Energieträgern so um als würden wir von einem Apfel nur einmal anbeißen und den Rest davon achtlos wegwerfen.

 

Die Energiewende geschieht nicht von heute auf morgen und ist ein Prozess der viele Ideen und Lösungen erfordert. Aber es ist auch ein Prozess, welcher neue Chancen für alle schafft und damit auch für die Menschen auf diesem Planeten, welche wir bislang nur als Garanten unseres Wohlstandes angesehen haben!

 


geschrieben von Matthias


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