Glückliche Menschen leben nachhaltiger

Eine mutige These? Vielleicht. Provozierend? Mit Sicherheit. Warum glückliche Menschen ganz ausversehen nachhaltiger leben, möchte ich in diesem Artikel beschreiben. Außerdem zeige ich eine Möglichkeit, die Dir helfen kann in Zukunft glücklicher und damit ganz automatisch nachhaltiger zu leben. 

 

 

Wir schreiben hier auf dem Blog regelmäßig über Nachhaltigkeit. Wir schreiben, weil so viel schief läuft und weil wir einen Beitrag leisten wollen. Ja, wir ärgern uns und ja, wir prangern manchmal an. Das Thema ist schwierig und unbequem. Wer mag sich schon als Leser damit auseinandersetzen? Ist unser Alltag heutzutage nicht ohnehin schon anstrengend genug? Brauchen wir da auch noch solch ein unbequemes Thema in unserer Freizeit? Müssen wir uns auch hier noch ein schlechtes Gewissen machen lassen!? Kein Wunder, dass der Zugang zu Nachhaltigkeit schwierig ist und man schon ein kleiner Nerd sein muss, um sich da tief hineinzuarbeiten.

 

Ich möchte dieses Thema heute einmal von einer ganz anderen Seite aus betrachten. Dafür stelle ich die These auf, dass glückliche Menschen ganz automatisch nachhaltiger leben. Weit hergeholt? Wollen wir mal sehen…

 

Kopf aus - Konsum an. Kurzer Kick oder langfristiges Glück!?

 

Wir Deutsche sind Meister im unglücklich sein. Wer keinen Stress hat, der arbeitet nicht genug. Wer kein Wehwehchen hat, hat nichts zu erzählen. Wer Zeit hat, sich längere Auszeiten zu gönnen, oder gar seine Arbeitsstunden dauerhaft reduziert, ist faul oder meint er wäre etwas Besseres. Mal Hand auf`s Herz, wer kennt solche Gedanken oder Gespräche nicht? Meistens nicht so provokant formuliert, wie oben, jedoch bestimmen ähnliche Grundzüge das Denken Vieler.

Bei alldem Stress, den wir uns so einreden (und ich schreibe bewusst „einreden“), gönnen wir uns dann zur Erholung etwas Materielles: Mal so richtig ungesund essen. Das neue Auto, weil man es als Befriedigung empfindet. Mindestens 1x im Jahr eine große Flugreise oder schön ausgiebig Shoppen.

 

Doch machen diese Dinge wirklich langfristig glücklich? Freue ich mich über mein fünfzehntes Kleid im Schrank, während ich Montagmorgens wieder total deprimiert in Richtung Arbeit aufbreche? Genieße ich das Treffen mit Bekannten, wenn die einzigen Gesprächsthemen dabei negativer Art sind? Ziehe ich Kraft aus meinem "All inklusive Urlaub", während ich eine Woche danach schon wieder im Alltagstrott angekommen bin? 

 

Ich behaupte: nein. Mit Sicherheit machen diese Dinge kurzfristig glücklich. Sie befriedigen das Bedürfnis einfach mal den Kopf auszuschalten und das ist auch völlig in Ordnung. Aber befinden wir uns bei solch einem Lebensstil nicht in einem Teufelskreis? Der ach so stressige Alltag führt zu immer mehr Kompensation in Form von Konsum. Dieser Konsum macht nur sehr kurzfristig zufrieden, sodass der Kreislauf ständig von vorne beginnt. 

 

Nebenbei hat solch ein Lebensstil die Folge, dass er die Ressourcen der Erde massiv ausbeutet. All diese Kompensationsformen basieren auf möglichst schnellem, möglichst intensiven Konsum. Viel Fleisch essen, viel Kleidung kaufen, weit weg in den Urlaub fliegen, ein großes Auto besitzen, … usw. Dabei zerstören wir nebenbei die Erde, auf der wir leben. Aber darum sollen sich andere kümmern. Unser Leben ist so stressig, dass dafür nicht auch noch Zeit bleibt.

Das Ergebnis ist diese extrem schnelllebige Zeit und Menschen, die ihre Lebensgrundlage zerstören. Aber macht ja eigentlich auch nix, sie sind ja eh zum Großteil unglücklich.

 

Luxusprobleme

 

Es gibt Menschen, die wirklich existenzielle Probleme haben. Und da brauchen wir auch nicht bis Afrika oder Indien gehen - da reicht ein Blick in deutsche Fußgängerzonen und wir sehen Mitmenschen, die nicht wissen wo sie die nächste Nacht verbringen. Diese Menschen meine ich nicht, wenn ich von Unzufriedenheit spreche. Ich spreche vom Großteil der Mittel- und Oberschicht (übel genug, dass man diese Schichten überhaupt noch unterscheiden kann), die genug zu Essen auf dem Tisch haben und sich keine Sorgen über ihr tägliches Überleben machen müssen. 

Wir alle, die hier im Warmen an unseren PCs sitzen, einen Cappuccino schlürfen und uns die Füße an der Heizung wärmen, wir haben Luxusprobleme. Wir erzählen uns gegenseitig, wie schlecht es uns geht und rennen von einem Stress in den anderen. Was spricht dagegen einfach mal dankbar dafür zu sein, dass wir dieses Leben leben dürfen, welches wir leben? Dankbar für die Dinge, die im grauen Alltagsfrust ständig unter gehen. 

 

Schneller, höher, weiter. Immer in Eile. Wo führt das hin?

 

Glücklich sein ist eine mutige Entscheidung

 

Menschen, die ihren Alltag zum Großteil mit Dingen verbringen, die ihnen Freude bereiten, sind glücklicher - keine Frage. Da kann man beim Job anfangen und es bis hin zu Beziehungen, Freundschaften und Gesprächsinhalten weiterführen. Wenn Du einen Job hast, der Dich inhaltlich erfüllt, Du Kontakte pflegst, die Freude bereiten und Gespräche führst, die Dich wirklich interessieren - wofür brauchst Du dann Stresskompensation im Sinne von massivem Konsum? Wann soll dieses Gefühl von: "Boa, jetzt gönne ich mir mal richtig was, einfach weil es mir so schlecht geht!" aufkommen?

Du musst nicht gleich das Thema Nachhaltigkeit voll bewusst in Deinen Alltag integrieren. Es reicht schon, wenn Du etwas glücklicher bist und du wirst ganz ausversehen nachhaltiger leben. Und ja, das hast Du selbst in der Hand. 

 

Du wirst Freude im Alltag finden und mit ganz anderen Dingen Deine Zeit verbringen. Vor allem der Konsum wird sich einschränken. Wozu Materielles von außen holen, wenn es plötzlich so unnötig erscheint? Wenn ich mich Montag früh darauf freue, in die Arbeit zu gehen und mich am Wochenende freue tolle Dinge in meiner Freizeit zu machen, wovon soll ich dann eine Auszeit nehmen? Was bewegt mich zum Kauf unnötiger Güter, wenn da kein Frust mehr ist, der befriedigt werden will? 

 

Und schwups - Dein Alltag wird nachhaltiger, ganz ohne, dass du es wolltest. Zusätzlich wirst Du schnell merken, dass plötzlich viel mehr Platz im Kopf für andere Themen frei geworden ist. Warum nicht zum Beispiel für Nachhaltigkeit? Du wirst mehr Energie haben und das macht es automatisch leichter sich auch mit komplexeren und (dem ersten Anschein nach) unbequemen Themen zu widmen.

 

Doch wie wird man denn nun glücklich? Meiner Erfahrung nach wirst du dann glücklich, wenn Du Dir Zeit und Ruhe nimmst, Dich mit Dir selbst zu beschäftigen. Und ja, das fordert viel Reflexionsvermögen und Konsequenz. Und ja, es ist auch immer mal wieder anstrengend, lohnt sich aber - versprochen!

 

Das Wichtigste ist wohl, den Mut zu haben einfach anzufangen.

 

  • Nimm Dir 1x am Tag mindestens eine halbe Stunde Zeit nur für Dich. Ohne Handy, ohne Fernseher, ohne andere Menschen. Ich gehe dazu am liebsten in die Natur. Du kannst aber natürlich auch daheim auf der Couch sitzen, oder in einem Kaffee in der Fußgängerzone, wenn dir das mehr liegt. Ganz egal - Hauptsache Du kommst zum Nachdenken, zum Ruhe finden und zum Reflektieren. 

 

  • Nun stell Dir Deinen idealen Alltag vor. Wie müsste er aussehen, damit Du wirklich glücklich bist? Welche Inhalte bereiten Dir Freude? Welche machen Mühe? Wonach fühlst Du dich wie aufgetankt? Wonach eher wie leergesaugt? Allein dieses Bewusstsein führt dazu, dass Du die Dinge in Deinem Leben ganz anders wahrnehmen wirst.

 

Hast Du bemerkt, dass du einen Großteil der Zeit mit Dingen verbringst, die Dich Kraft kosten? Super! Denn dann kannst du jetzt etwas daran ändern. Wer hat denn zum Beispiel bitte bestimmt, dass Du jahrelang einen Job machen sollst, der Dich unglücklich macht? Es gibt immer, ausnahmslos immer, die Möglichkeit etwas zu ändern. Und wenn das heißt, eine Weiterbildung zu machen, zwischenzeitlich mal Hilfe anzunehmen oder sich nach einer neuen Arbeitsstelle umzusehen, dann ist es das wert. Es ist Dein Leben. Fertig!

 

Was auch immer in Deinem Leben gerade relevant ist - Bewusstsein und Aufmerksam hinsehen ist ein guter Weg glücklicher zu werden. 

 

Glücklich werden bedeutet nicht unbedingt, gleich sein ganzes Leben umzukrempeln. Es kann auch bedeuten, die Dinge einfach mal bewusster wahrzunehmen. Im Moment zu sein und nicht an seinem eigenen Leben vorbei zu rauschen. Es kann bedeuten den nächsten Kaffee einfach mal ganz bewusst zu genießen. Oder das Wetter zu beobachten. Oder Kleinigkeiten wahrzunehmen, an denen man sonst schnell vorbei schaut. Es kann bedeuten sich Menschen, die einem wirklich wichtig sind einfach mal bewusster zu widmen und anderen, die eher anstrengen, weniger Raum zu geben.

 

 

Dabei habe ich nicht die Erwartung, dass wir morgen alle auf Wolke sieben schweben. Das ist jenseits von jeder Realität und auch gar nicht notwendig. Aber warum nicht da im Alltag anfangen wo kleine Veränderungen möglich sind? Wer weiß, vielleicht stößt das ganz automatisch größere Veränderungen an? Ein bisschen glücklich sein ist doch allemal besser, als krampfhaft in Unzufriedenheit zu baden. Und wenn wir damit ganz ausversehen auch noch unserem Planeten etwas Gutes tun - warum nicht? 

 

Vielleicht wird es auch Dinge geben, die Du zum jetzigen Zeitpunkt nicht ändern kannst. Dann tu Dir selbst einen Gefallen und nimm sie so an, wie sie sind. Tägliches Ärgern ist absolute Zeit- und Energieverschwendung. 

 

Das größte Risiko

 

Ich habe leicht reden? „Es ist nicht so einfach. Man kann den Stress nicht einfach wegreden.“ Diese Gedanken kommen dem Ein oder Anderen spätestens hier, wenn nicht schon viel weiter oben im Artikel mit Sicherheit. „Was denkt die sich eigentlich so neunmalklug daherzureden?“ Ja warum denn nicht? Wovor hast Du Angst? Was kann passieren? Das Extremste was geschehen kann, ist dass Du glücklich wirst. Und im Zweifel bleibt alles so grau wie eh und je. Also warum dann nicht einfach mal anfangen was zu ändern!? 

 


geschrieben von Anna


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