Von Krafträubern, Akkuladestationen im Wald und Wegweisern für das neue Jahr

 

Nein, es geht mal nicht um Elektroschrott - eher um den Schrott in meinem Leben: Wie ich als eingefleischte Idealistin mit all dem Negativen in der Nachhaltigkeitsdebatte umgehe, warum meine Akkuladestation im Wald auf mich wartet und was das mit dem kommenden Jahr zu tun hat. 

 

 

Zu viel Beschäftigung mit Negativem verbraucht Kraft. Viel Kraft. Bildung für nachhaltige Entwicklung hat gezwungener maßen mit negativen Themen zu tun. Das erzeugt schon mal Frust und Hoffnungslosigkeit.

 

Bringt das alles überhaupt was?

Was können wir schon im Alltag anrichten, wenn die Politik nicht mitspielt?

Was bringen unsere neu angeschafften Bienenvölker, wenn Glyphosphat weiter erlaubt bleibt?

Bewirkt mein Einkauf auf dem Wochenmarkt irgendwas, während die Mehrheit tagtäglich in den Discounter rennt?

Was soll mein (weitgehender) Verzicht auf Fleisch, wenn die Maschinerie der Massentierhaltung kein Ende findet? 

 

Nachhaltigkeit - das bedeutet für mich ein Bewusstsein für die eigene Lebensweise schaffen. Dazu gehört es vor allem jegliche Ressourcen bewusst einzusetzen und Mitmenschen mit Respekt zu behandeln. Und natürlich ist das auch für mich anstrengend! Ständige Reflexion, ständige aktive Entscheidung gegen die vorgelebten Ideale der Wirtschaft. Täglicher Widerstand und Anstrengung. Man muss schon sehr idealistisch sein und ein dickes Fell besitzen, damit das nicht die eigenen Akkus leer saugt. 

 

JA, NATÜRLICH IST DAS AUCH FÜR MICH ANSTRENGEND!

 

Idealistisch bin ich, ein dickes Fell habe ich nicht. Möchte ich auch überhaupt nicht haben. Trotzdem - oder gerade deswegen - habe ich mir vorgenommen glücklich zu sein. Wären alle Menschen glücklich, hätten wir wohl kaum schwerwiegende Probleme auf der Welt, aber das ist ein anderes Thema und würde hier zu weit führen… Zum glücklich sein gehört für mich zu meinen Werten zu stehen und ich mag mich einfach nicht vom Frust der Anderen herunter ziehen lassen.

 

Es gibt viele Menschen, die sich nicht mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen wollen (oder können). Das ist für mich oft ärgerlich und tatsächlich habe ich manchmal wenig Verständnis dafür, denn es geht hier ja schließlich nicht um irgendein Hobby, sondern um unser Aller Lebensgrundlage. Und ja, auch wenn Idealismus und ein starkes Harmoniebedürfnis sicherlich Teil meines Charakters sind, kann und will ich nicht jeden Menschen auf dieser Welt verändern. Es liegt außerdem nicht in meiner Macht mich in große politische Themen einzumischen. Das dürfen gerne Andere machen. Ich mag niemanden von meiner Meinung überzeugen, der diese nicht hören will.

 

LÖSUNGSMÖGLICHKEITEN SIND MEIN DING!

 

Aber was ich gut kann, ist den Menschen, die sich für meine Einstellung interessieren, Inspirationen geben und Möglichkeiten zeigen etwas anders zu machen. Das liegt mir, das macht mir Spaß und das macht mich glücklich. 

 

Doch nicht nur die Menschen, mit denen man im Alltag zu tun hat, machen das Thema Nachhaltigkeit manchmal schwer. Die Inhalte an sich sind es auch. Nachhaltigkeit impliziert die Beschäftigung mit Negativem. Man wird ständig mit Problemfeldern und Schieflagen in der Welt konfrontiert - man beschäftigt sich täglich mit Verzicht, Widerstand und Aufklärung. Das saugt Kraft, ob man will oder nicht. Und das kann man sich auch nicht schönreden: was Kraft verbraucht, macht die eigenen Akkus leer. 

 

SCHLUSS MIT DER SCHÖNREDEREI!

 

Für mich gehört zum glücklich sein dazu, dass ich meine Akkus immer wieder ganz bewusst auflade. Ich kann keine Leistung bringen, wenn ich mich leergesaugt fühle oder frustriert bin. Und ich kann keine Leichtigkeit ausstrahlen, wenn sich der ganze Tag um schwere Themen dreht. Natürlich gehört es auch einfach dazu sich mit unangenehmen Themen auseinander zu setzten. Aber, um beim Bild der Akkus zu bleiben: immer wenn etwas Kraft gekostet hat - die Akkus also verbraucht werden - müssen sie auch wieder aufgeladen werden. 

 

WO SIND DEINE KRAFTRÄUBER?

 

Ein ganz bewusster Lebensstil hilft mir dabei und der erste Schritt ist überhaupt zu erkennen, was die Akkus leer saugt und was sie wieder auflädt. Das ist bei jedem Menschen etwas anderes, lässt sich aber ganz leicht herausfinden, wenn man etwas Übung hat. Dafür habe ich mir angewöhnt mich bei allem was ich mache zu fragen: wie geht es mir danach? Hat das meine Energie verbraucht, oder aufgeladen? Wenn es Akkukapazität verbraucht hat, frage ich mich: kann ich in Zukunft etwas daran ändern? Muss es Teil meines Lebens bleiben? Wenn nein, höre ich einfach damit auf. Wenn ja, frage ich mich, ob ich meine Einstellung dazu ändern kann, sodass es das nächste Mal weniger anstrengend wird. Da mir das nicht immer gelingt, schaffe ich einen Ausgleich für kraftraubende Themen. Ich sorge dafür, dass meine Akkus aufgeladen werden.

 

 

MEINE AKKULADESTATION LIEGT IM WALD

 

Ich mache das, indem ich mir ganz bewusst Zeit für mich nehme. Viel Zeit! Momentan finde ich meine Akkuladestation im Wald. Eine Stunde absolute Ruhe im Wald ist mein Mittel der Wahl. Da ich ohnehin täglich mit meinen Hunden draußen bin, ist das keine große Überwindung, ich brauche jedoch wirklich mindestens 45 Minuten, eher mehr, bis die Entspannung eintritt. Nicht weil die Hunde so lange brauchen würden, sondern mein Kopf.

 

Am Anfang gehen mir viele Gedanken durch den Kopf und ich bin teilweise mit meinem Schweinehund beschäftigt. Gehe ich doch nur die kurze Runde? Das Wetter ist schlecht und die Hunde sind dank ihres fortgeschrittenen Alters inzwischen so genügsam, dass sie auch nach 30 Minuten Gassi den Rest des Tages zufrieden verschlafen würden. Außerdem komme ich beim strammen bergauf und bergab immer wieder aus der Puste. Das muss doch nicht jeden Tag sein… muss es auch nicht. Aber wenn ich es doch mache, bin ich danach so zufrieden und bei mir selbst, wie nie!

 

Ich wähle einen Wald, der sehr ruhig ist, hier begegnet mir nur sehr selten mal ein Mensch. In der Regel habe ich gemeinsam mit den Hunden meine Ruhe. Ich laufe bewusst, nehme die Umwelt wahr, schaue bewusst hin. Ich sehe mir die Blätter der Bäume an, die Pilze am Boden, das Moos auf den Steinen, die Käfer auf dem Holz. Dieses bewusste Wahrnehmen und Aufsaugen sorgt dafür, dass die Gedanken aufhören zu kreisen. Ob ich noch einkaufen muss, ob ich noch etwas arbeiten muss oder ob ich noch einen Anruf erledigen muss… das ist alles für den Moment egal.

 

Ganz besonders spannend ist es für mich im Verlauf der Jahreszeiten die gleichen Wege zu gehen. Ich weiß noch wie an der einen bestimmten Kurve im Frühjahr eine hübsche lila Blüte herausspitzte, die ich noch nie zuvor gesehen habe. Wie sich die Pflanze dann über den Sommer entwickelt hat und nun über den Herbst bis zum ersten Schneefall ihre Blätter wieder verloren hat. Der gleiche Weg sieht jeden Tag anders aus. Es gibt so unglaublich viel zu entdecken. Ist Dir schon mal aufgefallen, wie schön Moos sein kann? Oder Pilze! Ein Thema für sich... Allein durch bewusstes Hinschauen habe ich im vergangenen Sommer unglaublich viele neue Arten kennengelernt, obwohl ich vor einem Jahr noch keinen Parasol vom Steinpilz unterscheiden konnte - ich will gar nicht wissen wie oft ich schon blind an leckeren Speisepilzen vorbei gelaufen bin. 

 

Und bevor Du jetzt denkst: Die hat ja einen Knall! Was hat die denn geraucht? Probier`s mal aus! Vielleicht findest Du Dein persönliches Akkuladegerät auch an einem anderen Ort? Wann geht es Dir besonders gut? Wann fühlst Du Dich außergewöhnlich ruhig und zufrieden?

 

ICH MÖCHTE DEINE ZEIT NICHT VERSCHWENDEN!

 

Die Beschäftigung mit mir selbst hat mich auch gelehrt, dass andere Menschen aufnahmefähig sein müssen, wenn ich ihnen schwierige Themen näher bringen möchte. Ich selbst bin auch nicht bereit meine Zeit mit vermeintlich Schwierigem zu verbringen, wenn es mir schlecht geht. Das gilt auch für das Thema Nachhaltigkeit. Mit vollen Akkus kann ich jedoch Spaß daran haben und mit Freude neue Bereiche in mein Leben integrieren, die für Außenstehende als Entbehrung wirken. Geht es mir schlecht, hat auch die Nachhaltigkeit weniger Platz. 

 

Für meine Arbeit in der Bildung für nachhaltige Entwicklung bedeutet das, dass ich den Fokus auf das Positive legen werde. Ich möchte meine eigene Zeit, aber auch die meiner Leser und Zuhörer nicht mit anprangern und aufzeigen von Fehlern verbringen. Sicher gehören die Hintergründe maßgeblich zu dem Fachgebiet dazu, aber ich möchte meinen Fokus auf Lösungen legen. Statt ständig rumzumeckern und Schuldige zu suchen, werde ich Dich animieren es anders zu machen. Das Anstrengende soll in Produktivität umgesetzt werden. Ich möchte leichte Wege zeigen. Wege, die Freude bereiten und Dich bereichern. Sodass Nachhaltigkeit schon bald vom Akkuverbraucher zum Akkuauflader wird.

 

Mit diesem Fokus schließe ich das Jahr 2017 ab und freue mich auf ein überaus schwungvolles, positives Jahr 2018! 

 

Ich freue mich, wenn Du auch im kommenden Jahr wieder als LeserIn regelmäßig dabei bist. 

 

Danke! 

 


geschrieben von Anna


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