Und im Winter essen wir dann nur noch Kohl!

Wer umweltverträglich essen will, isst regional. Im Sommer in Deutschland kein Problem, da ist das Angebot reichhaltig und kunterbunt. Das Gemüse im Garten wächst, als käme kein Morgen mehr, jeder Bauernmarkt quillt über vor bunter Vielfalt und von Tomate, über Gurke bis hin zu Zucchini und Auberginen ist alles reichlich vorhanden. Ja sogar eher zimperliche Gesellen wie Pfirsich, Melone oder Kiwi gibt es durchaus aus Deutschland.

 

Doch was ist eigentlich im Winter? Essen wir dann nur noch Kohl?

Das ist natürlich Quatsch. Aber so leicht ist die regionale Ernährung im Winter tatsächlich nicht. Welche Produkte können denn überhaupt in Deutschland wachsen und was mache ich gegen Langeweile und Einheitsbrei in der kalten Jahreszeit?

 

 

Ich habe schon immer viel und gerne gekocht und hatte früher dafür mein festes Repertoire an Gerichten, die sich mit kleinen Abwandlungen wiederholt haben. Dabei habe ich mir, um ehrlich zu sein, nur selten Gedanken darüber gemacht, ob die Zutaten regional und saisonal verfügbar sind. Wenn ich Lust auf gebratene Zucchini hatte, habe ich halt einfach Zucchini gekauft. Und so kam eines Tages dieser Moment, an dem ich an der Supermarktkasse stand und mich über den extrem hohen Betrag gewundert habe. 

 

ES WAR DEZEMBER UND ICH HATTE DREI GROßE ZUCCHINI AUFS KASSENBAND GELEGT

 

Kommt Dir das bekannt vor? Ja, es ist tatsächlich so, dass regional / saisonal kochen nicht nur die Umwelt schont, sondern auch Deinen Geldbeutel. Um Lebensmittel, die im Sommer in Deutschland wie Unkraut wachsen, auch im Winter anbieten zu können, müssen die Erzeuger sich ganz schön was einfallen lassen. Entweder werden große Gewächshäuser stark beheizt (und wie schnell Heizkosten sich bemerkbar machen, wissen wir wohl alle), oder das Gemüse wird aus wärmeren Ländern importiert. Beides hat zur Folge, dass der Preis im Vergleich zum Sommer stark ansteigt. 

 

Aber wie geht es denn nun eigentlich richtig? Früher war umweltbewusstes Essen tatsächlich kinderleicht, denn es gab ja nix anderes. Heute muss ich selbst auf dem vermeintlich regionalen Wochenmarkt nachfragen, ob die Produkte wirklich direkt aus der Region kommen und beim Einkauf sehr viel Eigenverantwortung an den Tag legen.

 

MANN MUSS SICH NUR ZU HELFEN WISSEN

 

Um es sich im Winter leichter zu machen, hilft es, wenn man weiß welche Produkte überhaupt Saison haben und potentiell guten Gewissens gekauft werden können. Mit diesem Wissen, kann ich dann das Gemüseregal schnell überfliegen und einige Produkte sofort streichen. Ich kann mir z.B. im Januar definitiv die Mühe sparen zu gucken wo die frischen Tomaten herkommen. Es ist schlicht unmöglich sie zu umweltverträglichen Bedingungen in dieser Jahreszeit anzubieten. Eine gute Hilfe, um die Saisonalität der Gemüsesorten zu lernen, sind Saisonkalender.

 

Das Bundeszentrum für Ernährung stellt beispielsweise einen solchen online zur Verfügung: klick

Etwas ausführlicher ist der Saisonkalender dieser Seite: klick 

 

DIESES GEMÜSE GIBT ES IM JANUAR AUS DEUTSCHER PRODUKTION:

  

Chicorée

Chinakohl

Champignons

Feldsalat

Grünkohl

Kartoffeln (Lagerung)

Kürbis (Lagerung)

Pastinaken (Lagerung)

Möhren (Lagerung)

Lauch

Rettich

Rosenkohl

Rote Beete (Lagerung)

Rotkohl (Lagerung)

Schwanzwurzel

Steckrüben (Lagerung)

Topinambur

Weißkohl (Lagerung)

Wirsing

Zwiebel (Lagerung)

 

Übrigens: Auch wenn man Orangen wohl so gut wie nie aus Deutschland bekommt, lohnt sich auch hier ein Blick auf den Saisonkalender. In Monaten mit sehr hohen Exporten, haben diese Früchte in den Herkunftsländern Hochsaison. So kann man im Winter wesentlich bessere Orangen essen, als im Sommer. 

 

UND WAS MACHEN WIR JETZT DAMIT?

 

Ok, zugegeben, die Gemüseliste ist wesentlich kürzer, als im Sommer. Aber hey - da steht doch definitiv nicht nur Kohl drauf. Entscheidend für eine ausgewogene Ernährung ist schlicht unsere Kochfähigkeit und Kreativität. Die saisonal wechselnden Lebensmittel unterstützen diese Ausgewogenheit sogar noch zusätzlich. Im Winter bin ich nun dazu gezwungen, mich mit Gemüsesorten auseinander zu setzen, die bisher nicht unbedingt auf den Teller gekommen sind. Das sorgt für Abwechslung und damit Zufuhr von gesunden Nährstoffen.

 

Nehmen wir nur einmal an, ich würde bei meinem früher sehr beschränkten Repertoire von vielleicht 5-10 Gerichten bleiben - wäre das nicht überaus langweilig und einseitig? Der Winter zwingt mich dazu die Zucchini mal beiseite zu lassen und stattdessen gebratenen Chiccorée oder Pastinaken-Bratkartoffeln zu probieren (übrigens beides sau lecker!). Es war noch nie so leicht kreative Rezepte kennenzulernen. Gib einfach mal das saisonale Gemüse, was Du gerade auf dem Markt erstanden hast und vielleicht noch nie zubereitet hast, in die Suchmaschine ein. Innerhalb von Sekunden wirst Du hunderte Rezeptideen dazu finden.

 

Damit sind wir schon beim nächsten Punkt: Kreativ kochen heißt nicht nur verschiedene Zutaten auszuprobieren, sondern auch mit ein und derselben Zutat mehrere verschiedene Gerichte zu zaubern. Such Dir zum Anfang ganz bewusst eine neue Gemüseart heraus und teste 2-3 unterschiedliche Rezepte. Sicher entsteht schnell ein neues Lieblingsgericht. Mit etwas Übung wird es Dir bald leicht fallen die tollen Wintergemüse abwechslungsreich zu kombinieren. 

 

Eine übersichtliche Rezeptsammlung findest Du z.B. hier. Ich habe Dir extra die Rezepte für den Monat Januar herausgesucht. 

 

 

WEITERE TIPPS UND TRICKS:

 

Viele Kräuter lassen sich ganzjährig frisch auf der Fensterbank ziehen. Bitte hier im Supermarkt ganz besonders aufpassen! Diese Kräuter werden leider oft aus fernen Ländern importiert, was nun wirklich zu keiner Jahreszeit nötig ist. Mit einem kleinen Blumentopf, etwas Erde und Samen wachsen Petersilie, Schnittlauch und co. relativ unkompliziert auch in Deiner Küche. Alternativ kann man beim Gärtner oft auch Kräuter im Topf kaufen. 

 

Gesund und frisch: Sprossen selbst ziehen ist besonders im Winter eine tolle Möglichkeit an gesunde Nährstoffe zu kommen und Abwechslung in die Küche zu bringen. Im Biomarkt bekommt man relativ günstig Samen verschiedener Pflanzen (Rettich, Radieschen, Bohnen, …) Diese kann man mit Hilfe eines einfachen Schraubglases innerhalb von wenigen Tagen zum keimen bringen. Einfach eine kleine Portion Samen einfüllen und das Glas mit Wasser füllen. Nun den Deckel mit Löchern versehen und auf das Glas schrauben. Kopfüber in die Spüle gestellt, tropfen die Samen gründlich ab. Diese Wasserspülung 1-2x täglich wiederholen. Nach wenigen Tagen sind die Sprossen verzehrbereit und verfeinern Salate, Suppen oder das Pausenbrot. 

 

UND NUN BLEIBT MIR NUR:

GUTEN APPETIT UND VIEL FREUDE BEIM KOCHEN!


geschrieben von Anna


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